Geschichte

Ein geschichtsträchtiger Ort

abbaye-histoire-3Seit mehr als neun Jahrhunderten wird die große klösterliche Tradition von der Abtei Oelenberg bewahrt, die als einzige der zahlreichen Männerklöster überlebt hat, die ehemals das Land zählte. Auf einem der hügeligen Ausläufer des Sundgau gelegen, 15 km westlich von Muhlhouse, hat die Abtei Freud und Leid dieser Region geteilt.

1046 gründete Heilwig von Dabo, Gräfin von Eguisheim und Mutter des Papstes Leo IX., auf einem Hügel (Berg) entlang eines Wasserlaufs (Oelen) ein Priorat der Augustinerchorherren, wahrscheinlich für die Seelenruhe ihres Sohnes Gérard, der in einer Auseinandersetzung mit dem Grafen von Ribeaupierre auf tragische Weise ums Leben kam. Leo IX. weihte die Kirche 1049 und brachte die Reliquien des heiligen Roman, eines Märtyrers, dorthin. Nachdem das Kloster im 13. Jahrhundert eine Blütezeit erlebte, wurde es in den Kriegen des 14. Jahrhunderts zerstört. Sein Verfall verschlimmerte sich bis ins 16. Jahrhundert hinein. 1626 gelangte die Abtei an das Jesuitenkolleg von Freiburg im Breisgau, 1774 dann an die Universität der Stadt. In der Französischen Revolution wurden die Gebäude der Abtei an einen Industriellen aus Muhlhouse verkauft. 1821 wurden sie an einen Priester weiterveräußert, der in dem ehemaligen Kloster ein Mädchenpensionat einrichtete.

1825 kam das Kloster wieder zurück an eine recht große Gruppe von Zisterziensermönchen, gewöhnlich „Trappisten” genannt, die aus dem Exil zurückkehrten. Sie kamen aus Darfeld in Westfalen, wo sie nach etlichen Stationen eine vorläufige Zuflucht gefunden hatten. Eine Gemeinschaft von Trappistinnen schloss sich ihnen an und wohnte bis 1895 in Oelenberg, von wo aus sie sich dann in Ergersheim niederließen, nicht weit von Straßburg; heute ist das die Abtei „Unsere liebe Frau von Altbronn“.

 

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Die Mönche begannen, die landwirtschaftlichen Flächen zu bebauen. Sie kannten schwierige Zeiten: Hungersnot im Jahre 1846, Brände, Epidemien. Dennoch gelangte das Kloster zu großem Wohlstand. Es herrschte eine intensive Betriebsamkeit. Außer dem Gutshof und der Mühle gab es hier eine Brauerei, eine Käserei, eine Bäckerei, eine Druckerei; fast alle Berufe waren hier vertreten. Dom Ephrem Van der Meuelen, Abt von 1850 bis 1884, richtete eine reichhaltige Bibliothek ein. Oelenberg gründete 1862 ein Kloster in Deutschland, in der Diözese Aachen: Mariawald nahe Heimbach. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte die Abtei 200 Mönche: 80 Priestermönche und 120 Laienbrüder. Oelenberg war damals ein sehr bekanntes religiöses, geistliches und wirtschaftliches Zentrum.

Der 1.Weltkrieg machte allen Aufschwung zunichte: die Gebäude wurden bombardiert und die Mönche mussten sich zerstreuen. Der Wiederaufbau wurde schwierig. Eine Gruppe Mönche deutscher Abstammung ging 1925 nach Österreich, um sich in Engelszell niederzulassen, einem Kloster zwischen Passau und Linz an der Donau gelegen. Sie erfüllten diese ehemalige, jetzt säkularisierte Zisterzienserabtei mit neuem Leben. Oelenberg erfuhr 1944-45 eine erneute Zerstörung, genauso schlimm wie die vorige. Die Diözese Straßburg und ihre Gläubigen spendeten großzügig für den Wiederaufbau, während unterdessen Mönche aus Zundert (Niederlande) herbeieilten, um der leidgeprüften Kommunität unter die Arme zu greifen, die daraus wieder Leben und Hoffnung schöpfte. Eine neue Ära eröffnete sich damals.

 

Die Gegenwart…

Aus kulturhistorischer und künstlerischer Sicht

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Von den Gebäuden der Vergangenheit existieren nur noch einige Teile: die untere Partie des Chores einer Kapelle aus dem 12. Jahrhundert, das Querschiff der ehemaligen Abteikirche (1486) und sein barockes Kirchenschiff (1755). Ein Prozessionskreuz aus dem 12. Jahrhundert, ein großes Kruzifix aus dem 14. Jahrhundert und zwei schöne Marienstatuen aus dem 15. bzw. 18. Jahrhundert sind ebenfalls erhalten. Die Kapellen des hl. Michael und des hl. Leo wurden durch Umbaumaßnahmen in die ehemalige Jesuitenkirche umgewandelt.

Die Kapelle des hl. Michael besitzt ein gotisches Gewölbe und romanische Öffnungen. Drei Gewölbeabschlüsse sind erhalten mit Wappen, die nachweislich aus dem Jahr 1486 datieren. Die Kapelle des hl. Leo bewahrt in seiner Apsis Teile aus dem 12. Jahrhundert, u.a. sind hier sogenannte Palmettenkapitelle zu sehen. Eines davon zeigt zwei Köpfe, die durch ein Kreuz getrennt und mit den Buchstaben S.P.A. und S.P.E. (hl. Paulus und hl. Petrus) gekennzeichnet sind.

Eine andere Kapelle, genannt „du Mont des Oliviers“ (Kapelle vom Ölberg) war im 12. Jahrhundert ein einzelstehendes Gebäude. Später wurde sie in die übrigen Baulichkeiten integriert und diente bis 1895 als Keller. Zu diesem Zeitpunkt wurde sie Stein für Stein abgetragen und 1921 im jetzigen Noviziat wieder aufgebaut. Ihre unteren Partien stammen aus romanischer Zeit; die Gewölbeabschlüsse aus gotischer Zeit. Im Kapitelsaal ist ein kürzlich restauriertes Gemälde ausgestellt, das die „Lactatio des Hl. Bernhard„ darstellt. Es stammt, wie auch drei weitere Reliquienschreine der gleichen Epoche, aus der Zisterzienserabtei von Lucelle, die in der Französischen Revolution erloschen ist.

Darüberhinaus befinden sich drei Reliquienschreine aus Oelenberg in der Pfarrkirche von Reiningue. Der älteste, ein Geschenk von Papst Leo IX., ist eine teilweise vergoldete Silberschatulle. Sie datiert aus dem 11. Jahrhundert und enthält Reliquien des hl. Roman. Ein anderes Reliquiar, nach dem hl. Roman benannt, ist ein Werk des 12. Jahrhunderts. Es enthält neben Reliquien des hl. Roman auch Reliquien des hl. Laurentius und anderer Heiliger. Schließlich eine Reliquienbüste des hl. Roman aus dem 14. Jahrhundert, die eine Schädelreliquie des Heiligen enthält.

In unserer Zeit verfügt die Abtei über eine bedeutende Bibliothek mit über hunderttausend Büchern.

 

Zwischen Schwierigkeiten und Projekten zugleich

Unser Haus ist groß und die Nebengebäude sind zahlreich. Seit fünf Jahren sind wir mit Renovierungsarbeiten befasst, um mit unbedingt notwendigen und dringenden Erneuerungen unsere Umgebung zu verschönern und sie den heutigen Bedürfnissen und Maßstäben besser anzupassen: Instandsetzung des Gästehauses und der Küche, Neugestaltung der Gemeinschaftsräume, Modernisierung der Mühle, Erneuerung der Abwassergräben … Wir suchen auch weiterhin nach Lösungen, vor allem in Hinblick darauf, dass Teile der Gebäude unter Denkmalschutz stehen. Eines Tages wird es uns vielleicht möglich sein, einige „historische Kulturschätze” unseres Klosters der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.